Einflussvariablen auf studentischer Partizipation und Interventionsstrategien

Damit studentische Beteiligung gestärkt werden kann, müssen die Erfolgsfaktoren verstärkt und hinderliche Faktoren minimiert werden.

Zu den Einflussfaktoren gehören sowohl personenbezogene Faktoren als auch solche, die mit den Hochschulstrukturen zusammenhängen.

Einflussvariablen

  • Organisationale Merkmale von Hochschulen:
    u. a. Angebot von Mitbestimmungsmöglichkeiten, Transparenz von Beteiligungsangeboten und Gremienarbeit, Aufgabenüberlassung für studentische Gremienmitglieder, Einflusschancen für Studierenden, Lehrenden-Studierenden-Beziehung 
  • Persönliche Faktoren wie:
    • soziodemographische Faktoren der Studierenden: u. a. politisches Interesse der Studierenden, Geschlecht, Bildungsherkunft, zeitliche Ressourcen, Nutzenerwartungen an das Studium (Raffaele & Rediger, 2021, S. 18)
    • Partizipationsneigungen der Studierenden (Ditzel & Bergt 2013, S. 185) → s. nachfolgende Tabelle


Klassifizierung der PartizipationsneigungBeschreibungInterventionsstrategie
Keine PartizipationWenn keine Beteiligung stattfindet.-
Passive PartizipationWenn sich Personen mit wenig Aufwand und bei konkretem persönlichem Nutzen beteiligen.
Sie sind wenig sichtbar, können aber durch extrinsische Motivation erreicht werden.
  • Abfragen von Meinungen (z. B. Umfragen und Evaluationen)
  • Beteiligung an persönlich relevanten Themen (z. B. finanzielle Förderung).
Ad-hoc-PartizipationWenn Beteiligung an aufmerksamkeitsbindenden Aktionen durch grundsätzlich zugängliche, jedoch (hinsichtlich Partizipation) nicht sichtbare Personen stattfindet.
  • Darstellung des direkten Nutzens
  • Bereitstellung extrinsischer Anreize (z. B. Leistungspunkte).
Aktive PartizipationWenn Beteiligung durch Personen erfolgt, die intrinsisch motiviert sind zu partizipieren.
  • Ausbau der bestehenden Partizipationsstrukturen an Hochschulen hinsichtlich der Zugänglichkeit und Vernetzung.


Hinderliche Faktoren und Interventionsstrategien (Ditzel & Bergt 2013; Raffaele & Rediger, 2021)

Klassifizierung der FaktorenBeschreibungInterventionsstrategie
Zeitliche Einschränkungen der StudierendenDurch die zeitlich hohe Belastung im Studium, durch verkürzte Studienzeiten, Arbeit, familiäre Verpflichtungen, freiwilliges Engagement außerhalb der Hochschule (Verein, Parteien etc.) usw. haben Studierende wenig zeitliche Ressourcen für Partizipation.
  • Bereitstellung extrinsischer Anreize (z. B. Leistungspunkte, Aufwandsentschädigung, Teilnahmebestätigung)
  • Einbindung von Beteilungsmöglichkeiten und -formaten in Lehrveranstaltungen (z. B. Umfragen, Diskussionen)
  • Tutorien und Stellen für studentische Hilfskräfte stärken
Fehlende Kenntnis und Transparenz über Beteiligungsmöglichkeiten und deren Ergebnisse

Fehlendes Wissen zu bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten beeinflusst die Bereitschaft der Studierenden. Kennen sie die Angebote nicht, können sie folglich nicht daran teilnehmen. Außerdem ist für Studierende meist nicht transparent, inwiefern die Ergebnisse an der Hochschule umgesetzt werden.

  • Informationsveranstaltungen zu Beteiligungsmöglichkeiten
  • Transparente Darstellung von Beteiligungsergebnissen durch Kommunikation über Website, Soziale Medien etc. 
  • Ausbau und Unterstützung der Informations- und Veranstaltungsangebote der studentischen Vertretungen (z. B. sog. Ersti-Wochen, Fachschaftsveranstaltungen usw.)
  • Tutorien und Stellen für studentische Hilfskräfte stärken
  • Ausbau der bestehenden Partizipationsstrukturen an Hochschulen hinsichtlich der Zugänglichkeit und Vernetzung

Fehlendes Wissen über Prozesse und Abläufe

Fehlendes Wissen zu den Prozessen und Abläufen der Hochschule beeinflusst die Bereitschaft der Studierenden. Kennen sie die Abläufe und Prozesse nicht, können sie sich nicht fundiert an den Entscheidungsprozessen beteiligen.

  • Informieren über Prozessen und Abläufe der Hochschule
  • Ausbau und Unterstützung der Informations- und Veranstaltungsangebote der studentischen Vertretungen (z. B. sog. Ersti-Wochen, Fachschaftsveranstaltungen usw. )
  • Tutorien und Stellen für studentische Hilfskräfte stärken
  • Ausbau der bestehenden Partizipationsstrukturen an Hochschulen hinsichtlich der Zugänglichkeit und Vernetzung

Fehlende/lose Bindung zur Hochschule

Die Identifikation der Studierenden mit ihrer Hochschule als Lebensmittelpunkt gilt als zentraler Faktor für das Gelingen studentischer Beteiligung. 
  • Ausbau und Unterstützung der Informations- und Veranstaltungsangebote der studentischen Vertretungen (z. B. sog. Ersti-Wochen, Fachschaftsveranstaltungen usw.)
  • Tutorien und Stellen für studentische Hilfskräfte stärken
  • Aufbau und Stärkung der Studierenden-Lehrenden-Beziehung (Zusammenarbeit auf Augenhöhe)
  • Ansprechpartner/-innen für Studierende festlegen

Fehlende Studienrealität

"Je größer der Bezug eines Partizipationsangebots zu der Studienrealität ist, desto höher wird das Interesse sein, das Studierende diesem entgegenbringen" (Raffaele & Rediger 2021, S. 29).

  • Einbindung von studentischen Mitarbeitenden in die Planung, Durchführung und Umsetzung von Lehrveranstaltungen und Beteilungsangeboten
  • Abfragen von relevanten Themen bei den Studierenden
  • Zusammenarbeit und Austausch mit studentischer Vertretung (z. B. Fachschaft, StuPa usw.)

Geringe Wertschätzung

Fühlen sich Studierende mit ihren Anliegen und Ideen nicht wertgeschätzt oder ernstgenommen, sinkt die Beteiligungsbereitschaft.

  • Sichtbare Anerkennung (z. B. Dankesworte, Entschädigungen usw.)
  • Kommunikation von Wertschätzung durch Lehrende und Hochschulleitung
  • Aufbau und Stärkung der Studierenden-Lehrenden-Beziehung (Zusammenarbeit auf Augenhöhe)


Quellen

Ditzel, B. & Bergt, T. (2013). Studentische Partizipation als organisationale Herausforderung – Ergebnisse einer explorativen Studie. In S. M. Weber, M. Göhlich, A. Schröer, C. Fahrenwald, H. Macha & A. Schroer (Hrsg.), Organisation und Partizipation. Beiträge der Kommission Organisationspädagogik (Organisation und Pädagogik, Bd. 13, S. 177–186). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. https://doi.org/10.1007/978-3-658-00450-7_15

Raffaele, C. & Rediger, P. (2021). Die Partizipation Studierender als Kriterium der Qualitätssicherung in Studium und Lehre. Halle-Wittenberg: Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität. Verfügbar unter: https://www.hof.uni-halle.de/web/dateien/pdf/ab_117.pdf (05.11.2025)

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