Zentrale Begriffe

Partizipation

Synonyme: Beteiligung, Teilhabe

Ausgehend von der Wortbedeutung wird unter Partizipation „das Teilhaben, Teilnehmen bzw. Beteiligtsein“ verstanden (Dudenredaktion, 2018). Entsprechend wird in diesem Konzept sowie im zugrundeliegenden Projekt der Begriff der Partizipation synonym zu Teilhabe und Beteiligung verwendet.

Partizipation meint hier „alle Formen der Einflussnahme auf die Ausgestaltung kollektiv verbindlicher Vereinbarungen durch Personen und Organisationen, die nicht routinemäßig mit diesen Aufgaben betraut sind.“ (Renn, 2003, S. 290).

Studentische Partizipation

Partizipation von Studierenden an Hochschulen kann sich auf verschiedene Ebenen beziehen (Denker, Röwert & Böckel, 2021):

  • Auf der Mikroebene kann eine Beteiligung an der Entwicklung von Lernszenarien stattfinden,
  • auf der Mesoebene im Rahmen von Lehrveranstaltungen und
  • auf der Makroebene bezogen auf Curricula, Studiengänge, Studienorganisation.

Ergänzend wird im vorliegenden Projekt eine Beteiligungsmöglichkeit von Studierenden bei der Gestaltung des gesamten Campuslebens gesehen.

Students-as-Partners-Ansatz
(SaP-Ansatz)

Die Realisierung studentischer Partizipation erfordert nicht nur den Einbezug von Studierenden als Gestalter/-innen, sondern auch die Schaffung einer Kultur mit gemeinsamen Gesprächen sowie Lernprozessen von Lehrenden bzw. anderen Akteur/-innen der Hochschule und Studierenden auf Augenhöhe (Denker et al., 2021, S. 241; Wissenschaftsrat, 2022, S. 50).

Diese Kultur wird auch im Postulat Students as Partners (SaP) (z. B. Cook-Sather et al., 2014, S. 11) als Voraussetzung für gelungene Partnerschaften zwischen Studierenden und anderen Hochschulakteur/-innen genannt (Matthews, 2016, S. 2-3). Partnerschaft wird dabei als „specific form of student engagement, with very high levels of active student participation“ (Healey et al., 2016, S. 9) verstanden. Kennzeichnende Aspekte des SaP-Ansatzes sind Kollaboration, Abbau von Hierarchien und gelingende Beziehungen (Healey, 2023, S. 6). 


Partizipationsverständnis

Hintergrund

Die HM begreift ihre Studierenden „als verantwortungsbewusste Gestalter:innen der Zukunft“ (Leitner, 2023, S. 28). Aus diesem strategischen Ziel des Hochschulentwicklungsplans für das Handlungsfeld Lehre leitet sich ab, dass Studierende der HM systematisch in die Weiterentwicklung und Mitgestaltung der Lehre einbezogen werden.

Durch die Förderung und Erweiterung studentischer Beteiligung folgt die HM zudem der Forderung des Wissenschaftsrats (2022) nach der Umsetzung von anderen als den bisherigen Partizipationsmechanismen, d. h. Austauschformaten außerhalb von Gremien.


Studentische Partizipation

Das Partizipationsverständnis der Innovativen Lehre basiert auf den oben genannten Begriffsdefinitionen und dem zweidimensionalen Modell zur Beschreibung der partizipativen Rollen von Studierenden nach Fink (2021). In diesem Modell werden vier studentische Rollen im Kontext der Partizipation dargestellt (S. 180):

  • studentische Feedbackgeber/-innen (1)
  • studentische Diskursteilnehmer/-innen und Mitentscheider/-innen (2)
  • studentische Mitschöpfer/-innen und Expert/-innen (3)
  • studentische Change Agents (4)

Mit diesen Rollen gehen unterschiedliche Ausmaße von Partizipationsmöglichkeiten für Studierende einher (Fink, 2021): Während in Rolle (1) und (2) vor allem die „studentische Stimme“ (Fink, 2021, S. 180) Beachtung findet, ist es in Rolle (3) und (4) „studentisches Handeln“ (Fink, 2021, S. 180). Beteiligungsinitiativen und Einflussmöglichkeiten gehen in den Rollen (1) und (3) insbesondere von der Hochschule aus, in den Rollen (2) und (4) von den Studierenden selbst.

Im Vergleich zu Fink (2021) erweitert die Innovative Lehre das Partizipationsverständnis um den SaP-Ansatz: Die Realisierung studentischer Partizipation erfordert nicht nur den Einbezug von Studierenden als Gestalter/-innen, sondern auch die Schaffung einer Kultur mit gemeinsamen Gesprächen sowie Lernprozessen von Lehrenden bzw. anderen Akteur/-innen der Hochschule und Studierenden auf Augenhöhe (Denker et al., 2021, S. 241; Wissenschaftsrat, 2022a, S. 50). So entsteht eine partnerschaftliche Kultur, in der Studierende Hochschullehre und -leben aktiv und bedarfsorientiert weiterentwickeln.

Vor desem Hintergrund bedeutet gelingende studentische Partizipation:
Studierende können sich an der hochschulischen (Weiter-)Entwicklung als Nutzer- und Gestalter/-innen, im Idealfall als Change Agents und als gleichberechtigte Partner/-innen in Interaktion auf Augenhöhe mit Lehrenden und anderen Akteur/-innen der Hochschule beteiligen (Fink, 2021, S. 181; Matthews, 2016, S. 2-3; Wissenschaftsrat, 2022, S. 49-51).


Voraussetzungen

Wichtig ist entsprechend dieses Verständnisses:

  • zunehmender Handlungsspielraum und weitreichendere Entscheidungsmöglichkeiten für die Studierende
  • Commitment aller Beteiligten zum SaP-Ansatz, d. h. insbesondere eine Verständigung über die Werte der Partnerschaften (z. B. Authentizität, Inklusivität bzw. Chancengleichheit, Gegenseitigkeit, Pluralität und Verantwortung; Advance HE, 2016, S. 5)
  • Bereitstellung von entscheidungsrelevanten Informationen und Austauschangeboten (Denker et al., 2021, S. 240; siehe dazu auch Umsetzen von studentischer Partizipation).






Begriffsabgrenzungen

Entsprechend des obigen Partizipationsverständnisses werden von (studentischer) Partizipation abgegrenzt:

Zu Quasibeteiligung bzw. den Vorstufen von Partizipation gehören Information und Konsultation bzw. das Erfragen von Meinung (Straßburger & Rieger, 2014).

Politische Partizipation wird häufig mit dem Partizipationsbegriff assoziiert. In Politik und Demokratie meint Partizipation die freiwillige Beteiligung der Bürger/-innen an politischem Leben und Entscheidungen (Thurich, 2011).

Im sozialen Kontext wurde die Fokussierung auf Partizipation beispielsweise durch die UN-Behindertenrechtskonvention (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, 2018) gestärkt. Entsprechend dieser Konvention ist Partizipation ein vielfältiger Ansatz, da sie als Ziel, Grundsatz, Recht, staatliche Verpflichtung und Grundlage für die Überwachung/ das Monitoring der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gilt (Hirschberg, 2010).

Der Begriff des Engagements wird in Übereinstimmung mit Ditzel und Bergt (2013) nicht mit Partizipation gleichgesetzt, da bei Engagement nicht zwingend einer Interaktion mit einer höheren Instanz (z. B. einer Organisation) stattfindet.

Bezugnehmend auf die Begründung von Ditzel und Bergt (2013) zur Abgrenzung von Engagement und Partizipation wird im vorliegenden Konzept auch Teilnahme von Partizipation abgegrenzt.



Quellen

Advance HE (2016). Essential Frameworks for Enhancing Student Success: Student Engagement Through Partnership. Abgerufen 6. März 2025, von Student Engagement Through Partnership Framework.pdf (03.11.2025)

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2018). UN-Behindertenrechtskonvention. Verfügbar unter: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/DB_Menschenrechtsschutz/CRPD/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf (31.10.2025)

Cook-Sather, A., Bovill, C., & Felten, P. (2014). Engaging Students as Partners in Learning and Teaching: A Guide for Faculty. San Francisco: Jossey-Bass.

Denker, F., Röwert, R. & Böckel, A. (2021). Partizipative Hochschulentwicklung für den digitalen Wandel – Leitlinien des studierendenzentrierten Change Management. In Geschäftsstelle beim Stifterverband (Hrsg.), Digitalisierung in Studium und Lehre gemeinsam gestalten. Innovative Formate, Strategien und Netzwerke (S. 233–247). Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-32849-8_14

Ditzel, B. & Bergt, T. (2013). Studentische Partizipation als organisationale Herausforderung – Ergebnisse einer explorativen Studie. In S. M. Weber, M. Göhlich, A. Schröer, C. Fahrenwald, H. Macha & A. Schroer (Hrsg.), Organisation und Partizipation. Beiträge der Kommission Organisationspädagogik (Organisation und Pädagogik, Bd. 13, S. 177–186). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. https://doi.org/10.1007/978-3-658-00450-7_15 

Dudenredaktion (duden, Hrsg.). (2018, 27. April). Partizipation. Verfügbar unter: https://www.duden.de/rechtschreibung/Partizipation (31.10.2025)

Fink, K. (2021). Studierende als Change Agents? Über die Bedeutung studentischer Partizipation für die Digitalisierung an Hochschulen. Das Hochschulwesen (HSW) - Forum für Hochschulforschung, -praxis und -politik, 5+6, 177–183.

Healey, M., Flint, A. & Harrington, K. (2016). Students as Partners: Reflections on a Conceptual Model. Teaching and Learning Inquiry, 4(2), 8–20. https://doi.org/10.20343/teachlearninqu.4.2.3

Healey, R. L. (2023). A Guide to Working with Students as Partners. Chester: University of Chester, Centre for Academic Innovation and Development. Abgerufen 6. März 2025 von https://www.chester.ac.uk/media/media/documents/guides/PTSK0002046-Students-as-Partners-Guidance-Booklet-2025_WEB.pdf (31.10.2025)

Hirschberg, M. (2010). Partizipation - ein Querschnittsanliegen der UN-Behindertenkonvention. Deutsches Institut für Menschenrechte. Verfügbar unter: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/partizipation-ein-querschnittsanliegen-der-un-behindertenrechtskonvention (31.10.2025)

Leitner, M. (2023). HEP 2023. Hochschulentwicklungsplan. München: Hochschule München University of Applied Sciences. Verfügbar unter: https://mediapool.hm.edu/mediapool/media/dachmarke/dm_lokal/hm/verffentlichungen_1/hep/HEP.pdf (31.10.2025)

Matthews, K. E. (2016). Students as Partners as the Future of Student Engagement. Student Engagement in Higher Education Journal, 1(1). https://sehej.raise-network.com/raise/article/view/380 (31.10.2025)

Renn, O. (2003). The Challenge of Integrating Deliberation and Expertise: Participation and Discourse in Risk Management. In T. McDaniels & M. Small (Hrsg.), Risk Analysis and Society: An Interdisciplinary Characterization of the Field (S. 289–366). Cambridge: Cambridge University Press.

Straßburger, G. & Rieger, J. (2014). Partizipation kompakt - Komplexe Zusammenhänge auf den Punkt gebracht. In G. Straßburger & J. Rieger (Hrsg.), Partizipation kompakt: Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe (1. Aufl., S. 230–239). Beltz Juventa.

Thurich, E. (2011). Demokratie in Deutschland (pocket politik, Bd. 1, 4.). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar unter: http://www.bpb.de/shop/buecher/po-cket/34360/politik-demokratie-in-deutschland (31.10.2025)

Wissenschaftsrat. (2022). Empfehlungen zur Digitalisierung in Lehre und Studium. Köln. Verfügbar unter: https://www.wissenschaftsrat.de/download/2022/9848-22.pdf?__blob=publicationFile&v=12 https://doi.org/10.57674/SG3E-WM53 (31.10.2025)


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