Systematik:
Familie Pinaceae, Ordnung Pinales
Kurz und bündig:
Die gemeine Fichte ist ein immergrüner Nadelbaum, der 30 bis 50 Meter hoch wird (in Ausnahmefällen bis 70 Meter) und ein Alter von 300 Jahren erreichen kann. Die Oberfläche der jungen Triebe ist rötlich.
Gestalt:
Picea abies hat eine spitz kegelförmige Krone mit waagerechten oder bogenförmig nach unten hängenden Ästen.
Blätter:
Die vierkantigen spitzen Nadeln mit rhombischem Querschnitt sind schraubig am Zweig angeordnet. Auf allen vier Seiten kann man Spaltöffnungsstreifen erkennen.
Sie werden nach 5 bis 10 Jahren abgeworfen. Besonders erwähnenswert ist, dass die Nadeln auf einem Fortsatz des gelben Nadelkissens sitzen. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium zu den Abies-Arten.
Knospen:
Die Knospen der Gemeinen Fichte sind hellbraun, kegelförmig und harzlos.
Blüten und Blühzeitraum:
Die männlichen Blüten sind eiförmig und aufrecht in den Nadelachsen vorjähriger Triebe angeordnet. Sie sind anfangs karminrot, später gelblich.
Die weiblichen Blüten bilden sich endständig und aufrecht an vorjährigen Trieben im oberen Kronenbereich. Diese sind rötlich.
Picea abies bildet ab einem Alter von 40 Jahren Blüten. Die Blütezeit ist im Mai/Juni.
Samen:
Die gelbrauen bis dunkelrotbraunen Samen befinden sich in herunterhängenden Zapfen, die im reifen Zustand eine Größe von 10 bis 15cm erreichen. Die Form und der Rand der Zapfenschuppe, auf der der Samen frei liegt, sind sehr variabel. Im Herbst fallen die Zapfen als Ganzes vom Baum, nachdem sie sich geöffnet und die Samen ausgestreut haben. Verbreitet werden die Samen durch den Wind. Die Keimung erfolgt epigäisch.
Rinde:
Die Rinde der Gemeinen Fichte ist bräunlich bis kupferrot und blättert in dünnen Schuppen ab.
Wurzelsystem:
Picea abies bildet ein flaches, weitstreichendes Wurzelsystem mit Senkerwurzeln zur Verankerung, die auf flachgründigen oder staunassen Böden aber fehlen können. Mit Ectomycorrhiza.
Holz:
Das Holz der Gemeinen Fichte ist weiß bis gelblich, weich und mittelschwer. Picea abies ist ein Reifholzbaum mit Harzkanälen.
Verbreitung, Standort, Ökologie:
Die Gemeine Fichte ist eine Halbschattenbaumart. Sie kommt natürlicherweise nur in Skandinavien bis Sibirien und in den höheren Gebirgsregionen Mitteleuropas vor.
Durch ihre forstliche Bedeutung ist sie aber weit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet hinaus in Mittel- und Nordeuropa angebaut worden. Sie bevorzugt frische bis nasse Lehm- und Tonböden in kühl-humiden und winterkalten Klimalagen.
Nutzung:
Die Gemeine Fichte ist die wirtschaftlich wichtigste Baumart Europas. Sie wird insbesondere als Bau-und Konstruktionsholz sowie als Möbelholz verwendet, daneben auch als Zellstoff- und Papierholz. Hochwertige Fichtenhölzer finden im Musikinstrumentenbau Anwendung.
Pathologie:
Hallimasch, Rotfäule, Borkenkäfer
Besonderheiten:
Picea abies als eine sehr wichtige forstwirtschaftliche Baumart wird weit außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets in Monokulturen angebaut.
Quellen:
Bachhofer, Mark: Der Kosmos Baumführer. Stuttgart: Franckh-Kosmos, 2015
Bartels, Horst: Gehölzkunde: Einführung in die Dendrologie. Stuttgart: Ulmer, 1993
Leibundgut, Hans: Unsere Waldbäume. 2.Auflage. Stuttgart: Paul Haupt, 1991
Roloff; Andreas: Bäume Mitteleuropas: Von Aspe bis Zirbelkiefer. Weinheim: Wiley-VHC, 2010
