Systematik:
Ordnung der Coniferales, Familie der Cupressaceae (Strasburger 2008).


Kurz und bündig:
Der Strauch beziehungsweise kleine Baum ist in weiten Teilen der Nordhalbkugel beheimatet, hat aber kaum wirtschaftliche Bedeutung (Schütt 2002). Er ist aber das natürlich am weitesten verbreitete Nadelgehölz der Erde (Roloff 2018). 


Gestalt und Gesamtbild:
Immergrüner, mehrstämmiger Nadelstrauch oder bis 15m hoch werdender Nadelbaum, der bis zu 2000 Jahren alte werden kann (Kremer 2010, Roloff/Bärtels 2014, Schütt 2002).
Die Krone ist säulenförmig bis breit und abgerundet (Roloff/Bärtels 2014).


Nadeln:
Der Laubaustrieb beginnt im Mai (Bartels 1993). Die Laubblätter sind nadelförmig, lanzettlich, dreiwirtelig und fein zugespitzt, starr und stechend (Godet 2008, Roloff/Bärtels 2014, Spohn 2014).
Sie sind graugrün, mit einem weißen Mittelband versehen. Das weiße Mittelband stellt den Spaltöffnungsstreifen dar. Dieser ist breiter als die graugrünen Randstreifen und befindet sich auf der Blattoberseite (Fitsche 2007). Sie werden bis zu 2cm lang und bis zu 2mm breit und haben eine Lebenszeit von drei bis vier Jahren (Bartels 1993, Godet 2008).

Die Nadel riechen zerrieben stark aromatisch (Spohn 2014).

Nadeln von Juniperus communisNadeln von Juniperus communis

Knospen:
Die Knospen sind deutlich erkennbar und von schuppenartigen Nadeln bedeckt (Godet 2008).


Blüten und Blühzeitraum:
Die Blühzeit ist zwischen April und Juni. Die Blüten sind zweihäusig, selten aber auch einhäusig verteilt und befinden sich in den Nadelachseln der vorjährigen Zweige (Kremer 2010, Roloff/Bärtels 2014). Die männlichen Blüten sind gelblich mit zahlreichen Staubblättern. Die weiblichen Blüten haben mehrere Wirtel von Schuppenblättern, von denen die drei obersten bei der Reife fleischig werden und den saftigen Beerenzapfen bilden (Kremer 2010).
Die Blütenstände werden im Herbst in den Blattachseln der mittleren Nadelquirle angelegt (Bartels 1993).


Zapfen und Samen:
Erst im zweiten oder dritten Jahr sind die Früchte blau und reif (Spohn 2014).
Es sind sogenannte Beerenzapfen die in reifem Zustand kurz gestielt, erbsengroß und schwarzblau sind (Kremer 2010, Spohn 2014).
Sie sind ab August reif, sind fleischig und enthalten in der Regel 2 Samen (Kremer 2010, Roloff 2010). Die Samen sind dreikantig mit harter Schale und ölhaltigem Endosperm (Bartels 1993).
Sie werden durch Sing- und Wacholderdrossel sowie durch Birkhuhn und Alpenkrähe verbreitet (Schütt 2002).
Die Keimung ist epigäisch (Bartels 1993).


Zapfen und Samen:
Erst im zweiten oder dritten Jahr sind die Früchte blau und reif (Spohn 2014).
Es sind sogenannte Beerenzapfen die in reifem Zustand kurz gestielt, erbsengroß und schwarzblau sind (Kremer 2010, Spohn 2014).
Sie sind ab August reif, sind fleischig und enthalten in der Regel 2 Samen (Kremer 2010, Roloff 2010). Die Samen sind dreikantig mit harter Schale und ölhaltigem Endosperm (Bartels 1993).
Sie werden durch Sing- und Wacholderdrossel sowie durch Birkhuhn und Alpenkrähe verbreitet (Schütt 2002).
Die Keimung ist epigäisch (Bartels 1993).



Rinde:
Bei jungen Bäumen braunrot, glatt und dünn (Godet 2011).
Im Alter blättert Borke in langen unterschiedlich breiten Längsstreifen ab (Bartels 1993, Godet 2011). Grau bis dunkel rotbraun (Godet 2011).

Rinde von Juniperus communis

Wurzelsystem:
Tiefwurzler mit Endymyccorhiza, fakultativ mit Ectomyccorhiza (Bartels 1993, Roloff 2010).


Holz:
Kernholzbaum mit rotbraunem Kern und hellgelbem Splint ohne Harzkanäle (Bartels 1993, Schütt 2002). Die Jahrringe sind deutlich und grobwellig. Das Holz ist weich und mittelschwer (Bartels 1993).


Verbreitung,Standort und Ökologie:
Er ist beheimatet in Europa, Nord-, Mittel- und Westasien sowie im westlichen Afrika (Roloff/Bärtels 2014). Er kommt auf der gesamten Nordhabkugel vor und ist das Nadelgehölz, das am weitesten verbreitet ist auf der ganzen Welt (Bartels 1993).
Er ist ein licht liebendes Gehölz und kommt auf nährstoffarmen, flachgründigen, mäßig sauren oder kalkhaltigen Böden vor (Kremer 2010).
Er kommt auf Heiden, Weiden sowie in lichten, trockenen Wäldern vor (Spohn 2014).
Er gilt als sehr genügsame klimatolerante Art, die Kälte im Winter genauso aushält wie anhaltende Hitze im Sommer, mit geringen Standortansprüchen (Kremer 2010, Schütt 2002).


Nutzung:
Das Holz wird für Drechsler- und Schnitzwaren verwendet. Aus den Beerenzapfen kann man Gewürze und Spirituosen gewinnen (Bartels 1993).


Besonderheiten:
Pharmakologische Verwendung:
Im Mittelalter gehörte der Gewöhnliche Wacholder zu den wichtigsten Arzneimitteln. Die Beerenzapfen sollen magenstärkend, blutreinigend, harntreibend und durchblutungsfördernd sein (Roloff 2010).
In der Homöopathie verwendet man die Beerenzapfen zur Behandlung von Hautkrankheiten, Nierenleiden, Gicht und Rheuma. Außerdem gelten sie als lactationsfördernd (Roloff 2010).

Kulinarische Verwendung:
Mit den aromatischen Früchten kann man Sauerkraut und Wild würzen (Spohn 2014).
Gin (engl.) und Genever (niederl.) sind Fruchtdestillate aus den Wacholderbeeren (Spohn 2014).

Früher zündete man bei Seuchen von Mensch und Tier seine Zweige an und räucherte damit Wohnungen und Ställe aus. Der herbe Rauch sollte Böses aller Art vetreiben (Spohn 2014). 

Der Gewöhnliche Wacholder ist eine sehr langsam wachsende Strauch- oder Baumart (Roloff 2010).

Bei den Römern wurden die Beerenzapfen bei jungen Mädchen zur Abtreibung eingesetzt (Roloff 2010).

Juniperus communis ssp. alpina, der Zwerg-Wacholder, ist eine Unterart des Gewöhnlichen Wacholders. Er wächst unter anderem in den Alpen und in anderen Hochgebirgen wie zum Beispiel dem Himalaya und kommt bis zu Höhen von 3500m vor (Spohn 2014). Dort ist er ein niederliegender, bodenbedeckender Strauch (Schütt 2002).





Quellen:
(Bartels 1993) Bartels, Horst: Gehölzkunde. Einführung in die Dendrologie. Stuttgart: Ulmer, 1993.

(Fitschen 2007) Fitschen, Jost: Gehölzflora. Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., 2007.

(Godet 2008) Godet, Jean-Denis: Knospen und Zweige. Einheimische Bäume und Sträucher. Stuttgart: Ulmer, 2008.

(Godet 2011) Godet, Jean-Denis: Baumrinden. Vergleichen und bestimmen. Stuttgart: Ulmer, 2011.

(Kremer 2010) Kremer, Bruno P.: Bäume und Sträucher entdecken und erkennen. Stuttgart: Ulmer, 2010.

(Roloff 2010) Roloff, Andreas: Bäume Miteleuropas. Von Aspe bis Zirbelkiefer. Mit den Porträts aller Bäume des Jahres von 1989 bis 2010. Weinheim: Wiley-VCH, 2010.

(Roloff/Bärtels 2014) Roloff, Andreas: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften, Verwendung. Stuttgart: Ulmer, 2014.

(Spohn 2014) Spohn, Margot: Welcher Baum ist das. Stuttgart: Kosmos, 2014.

(Schütt 2002) Schütt, Peter: Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Hamburg: Nikol, 2002.

(Strasburger 2008) Bresinsky, Andreas: Strasburger. Lehrbuch der Botanik. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2008.


  • Keine Stichwörter