Systematik:

Ordnung: Rosales
Familie: Rosaceae 


Kurz und bündig:

Der Holz-Apfel gehört zu den sommergrünen Bäumen und Sträuchern. Er kann 80-100 Jahre alt werdenund gehört zu den Licht- bis Halbschattbaumarten. Anhand der Kurztriebdornen des Wild- Apfels kann man ihn gut vom sehr ähnlichen Kultur- Apfel unterscheiden.


Gestalt und Gesamtbild:

Die Krone des Malus sylvestris ist tief angesetzt und breit. Durch die allseitig abstehenden Kurztriebe im Winter ist er sehr sperrig. Außerdem bildet er oft mehrere Stämme und ist häufig spannrückig. Er besitzt aufsteigende oder abstehende Äste und oft weit überhängende Zweige, die ein auffällig filigranes Aussehen an den äußeren Partien aufweisen. Er bildet ein Monopodiumund verzweigt dabei durch Lang- und Kurztriebe. Seine maximale Höhe beträgt 10m, der Stammdurchmesser erreicht eine Dicke von 23-45cm. Im hohen Alter kann es vorkommen, dass sich die Äste unter dem Gewicht der Früchte zu so genannten ,,Fruchtbögen‘‘ umbiegen. Anhand der Kurztriebdornen des Wild- Apfels kann man ihn gut vom sehr ähnlichen Kultur-Apfel unterscheiden.


Blätter:

Die Blätter weisen eine große Variabilität in ihrer Größe auf, die sowohl zwischen den einzelnen Kurztriebblätter als auch zwischen den Kurz- und Langtriebblätter erkenntlich wird. Die am weitesten gefasste Angabe zu den Blättern liegt bei 3-11 x 2,5-5,5cm. Auch zwischen jungen und alten Blättern gibt es Unterschiede: junge Blätter besitzen eine rundliche Form, wohingegen die fertig ausgebildeten Blätter elliptisch bis verkehrt eiförmig sind. Der Rand ist einfach oder doppelt gekerbt-gesägt und das Blatt endet in einer seitlich ausgelenkten Spitze. Man kann vor allem auf der Unterseite aber auch oft auf der Oberseite eine weiche Behaarung finden. Die Herbstfärbung des Holz-Apfels ist unauffällig gelb und sein Zweige sind meist kahl und von einer rotbraunen Farbe. Weiterhin lassen sich anhand der Blätter Unterschiede von Malus sylvestris und Malus domestica feststellen: die Blattdicke des Wild- Apfels soll geringer sein und die Nervatur auf der Rückseite des Blattes soll weniger stark hervortreten als beim Kultur-Apfel. 


Knospen:

Die Knospen sind von dunkel(rot)brauner Farbe, klein und eiförmig. Sie sind spiralig um den Zweig herum angeordnet, seitlich angedrückt und mehrschuppig. Die Knospenschuppen sind entweder kahl oder locker behaart, wobei die Behaarung besonders am Rand der Knospenschuppen zu entdecken ist. Die Endknospe ist deutlich größer als die restlichen Knospen. Auch hier kann wieder ein Unterschied zum Kultur-Apfel festgestellt werden: die Knospen des Holz-Apfels sind kleiner und spitzer zulaufend als die des Kultur- Apfels.


Blüten und Blühzeitraum:

Malus sylvestris erreicht sein Blühalter mit etwa 15 Jahren. Die weißen, rosa überlaufenen Scheibenblumen mit gelben Staubbeuteln, duften angenehm und sind nektarliefernd. Die Blüten stehen den der Spitze von Kurztrieben und befinden sich dort in wenigblütigen und beblätterten Schirmtrauben. Die Blühdauer jeder einzelnen Blüte dauert nur 5 Tage. Der Blütenbecher weist entweder eine leichte Behaarung auf oder ist kahl. Ebenso sind die Kronblätter entweder kahl oder nur unten leicht behaart. Je nach der Witterungsart blüht der Holz-Apfel von April bis Juni. Die Bestäubung findet durch Insekten statt.


Früchte und Samen:

Die Früchte des Holz- Apfels sind 2-3cm groß, von gelbgrüner Farbe, oft rotwangig und herbsauer schmeckend. Die Form ist überwiegend rundlich, manchmal auch eirundlich. Die Frucht besitzt einen langen und dünnen und nie seitlich abgewinkelten Stiel. Außerdem ist die Kelchgrube entweder gar nicht oder nur sehr flach ausgeprägt. Die Stielgrube ist ebenfalls flach. Zwischen September und Oktober sind die Früchte reif. Die in ihnen enthaltenen Samen sind braunschalig, schwach giftig und haben eine maximale Länge von 8mm. Malus sylvestris ist ein epigäischer Keimer.


Rinde:

Die Borke weist eine graubraune Farbe auf, ist längsrissig und blättert in Schuppen vom Stamm ab. Die abblätternden Borkenschuppen sind klein, dünn und ungleich-rechteckig mit zerrissenem Rand. Anfangs befindet sich auf den rotbraunen Zweigen eine leichte Behaarung. Die Lenticellen sind klein und von rhomischer und quer-strichförmiger Form. Das Tiefenperiderm ist schon nach 5 Jahren vollständig entwickelt.


Wurzelsystem:

Das Wurzelwerk besteht aus flachreichenden, reichverzweigten und ausgedehnten Wurzeln, das auch zur Bildung von Wurzelbrut neigt. Die Verjüngung erfolgt durch Wurzelschösslinge oder durch die Bewurzelung von Zweigen, die den Boden berühren. Falls der Hauptstamm ausfallen sollte, können sich zahlreiche Stockausschläge am Wurzelansatz und an den stocknahen Wurzeln bilden. Außerdem geht der Holz-Apfel mit einigen Bodenpilzen eine Symbiose über Endomykorrhiza ein. 


Holz:

Das Holz ist zerstreutporig und weist im Gegensatz zur Birne einen helleren Kern auf. Der Kern setzt sich mit seiner rötlich-braunen Farbe vom breiten, hellen Splint deutlich ab. Die Spätholzzonen sind auffallend dunkler. Das Holz enthält viele Markflecken, ist wenig glänzend, hart, schwer und sehr fest. Es ist wenig elastisch, biegsam und von feiner Struktur. Da es stark arbeitet, reißt es sehr leicht auf, schwindet stark und ist deswegen wenig dauerhaft. Die Spaltbarkeit ist schlecht, aber die Brennkraft ist hoch (allerdings geringer als bei der Buche). Die Jahrringe sind nur schwach zu erkennen. 


Verbreitung, Standort und Ökologie:

Im europäischen Raum kommt der Holz-Apfel nur noch endemisch vor. Das heißt, dass die genauen Grenzen seines natürlichen Verbreitungsgebietes durch Verwilderungen des Kultur-Apfels verwischt worden sind. In ganz Europa ist er eher selten. In Deutschland gibt es nur noch in den Hartholzauen des Oberrheins und an der mittleren Elbe ausgedehnte Vorkommen. Er ist ein heimischer Baum und wächst von Tieflagen bis in die montane Stufe (Alpen bis 1100m) in Auwäldern, an Waldrändern und in Hecken. Am liebsten mag er Standorte mit kräftigen, kalkreichen, tiefgründigen und nicht zu feuchten Böden. 


Nutzung und Verwendung:

Malus sylvestris findet in unterschiedlichen Bereichen Anwendung. Er wird verwendet in Hecken, Misch- und Schutzpflanzungen, als Landschaftsgehölz, zur Begrünung von Ödflächen und als Straßenbegleitgrün. Außerdem spielt er eine gewisse Rollen als klimaharte Pfropfunterlage, gilt als forstliche Genressource und ist eine Bereicherung der ökologischen Vielfalt. Das Holz an sich hatte noch nie eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung, wurde aber früher zum Beispiel für die Drechslerei, Tischlerei, Kunstschreinerei, zum Schnitzen und zur Herstellung von Griffen, Stielen, Spindeln, Zahnrädern und landwirtschaftlichen Geräten genutzt. Weiterhin wird das Holz als Brennholz verwendet und die Früchte können in Form von Dörrobst und Gelee verzehrt werden. Der Holz-Apfel stellt auch eine wichtige Ausgangsform bei der Züchtung von Kulturäpfeln dar. 


Besonderheiten:

Da der Holz-Apfel eine in Mitteleuropa extrem seltene und stark gefährdete Baumart ist, wird er immer mehr in nationalen und internationalen Schutzprogrammen berücksichtigt. Seine Früchte finden Einsatz als Heilmittel gegen Darmkatarrh, Paratyphus und Ruhr und ein Teeaufguss mit Fruchtschalen kann eine fiebersenkende Wirkung erzielen. Mit Hilfe der ölhaltigen Kerne können fettreiche Speise- und Brennöle hergestellt werden. 


Quellen :

Bachofer, Mark/ Mayer, Joachim: Der Kosmos Baumführer. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, 2015.

Roloff, Andreas/ Weisgerber, Horst/ Lang, Ulla/ Stimm, Bernd: Bäume Mitteleuropas. Weinheim: WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, 2010.

Schütt, P./ Schuck, H.J./ Stimm, B.: Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standartwerk der Forstbotanik. Landsberg/ Lech: ecomed Verlagsgesellschaft mbH, 1992.

Bartels, Horst: Gehölzkunde. Einführung in die Dendrologie. Stuttgart: Ulmer, 1993.

Mitchell, Alan: Die Wald- und Parkbäume Europas. Ein Bestimmungsbuch. Hamburg und Berlin: Paul Parey Verlag, 1974.
























































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