Systematik:
Ordnung: Fagales
Familie: Betulaceae
Unterfamilie: Betuloideae
Allgemein:
Die Mandschurische Birke ist ein Baum, der in großen Teilen Ostasiens verbreitet ist und für seine sehr weiße und papierartige Ringelborke bekannt ist. Diese Pionierart ist nahe mit der in Deutschland heimischen Hängebirke (Betula pendula) verwandt, kann jedoch anhand mangelnder hängender Zweige und keinen schwarzen Furchen an der Stammbasis von dieser unterschieden werden.
Gestalt und Gesamtbild:
Die sommergrüne Betula platyphylla wächst baumförmig bis zu einer Höhe von 25 m und einem BHD von 60 cm. Ihre Krone ist eiförmig und licht mit langen kräftigen Ästen. Neber ihren aufrechten und dunkelgrauen Trieben ist ihr weißer Stamm sehr markant.
Blätter:
Die Blätter dieser Art sind eiförmigen bis dreieckig-eiförmig und wechselständig am Trieb angeordnet. Sie sind 3-9 cm lang, 3-6 cm breit und haben einen 1,5-2 cm langen Stiel. Die Oberseite ist dunkelgrün und bei jungen Blättern leicht behaart, während die Unterseite eher hell blaugrün gefärbt und mit bräunlichen Drüsen ausgestattet ist. Im Herbst nehmen diese eine goldgelbe Farbe an. Die am Rand unregelmäßig doppelt gesägte Blattspreite hat eine auffällige Spitze und ist an der Basis breitkeil- bis herzförmig. Die Anzahl der Seitennervenpaare beträgt 5-7.
Knospen und Triebe:
Die rotbraunen und konischen Knospen verfügen über bewimperte Knospenschuppen und liegen sitzend an den ebenfalls rotbraunen bis graubraunen Trieben an. Diese sind mit einer weißen Wachsschicht überzogen und mit punktförmigen Drüsen ausgestattet.
Blüten und Blühzeitraum:
Die sehr kleinen Blüten sind monoezisch mit einer unscheinbaren Blütenhülle. Die Männlichen überwintern nackt und sind in hängenden gelbraunen Kätzchen, während die Weiblichen in grünen zylindrischen Ähren im April austreiben.
Früchte und Samen:
Die sehr kleinen und schmal geflügelten Nüsschen stehen in den Achseln der Fruchtschuppen in bis zu 5 cm langen hängenden ährigen Fruchtständen, mit einem Tausendkorngewicht von 0,2-0,4 g.
Rinde:
Die weiße Ringelborke besteht aus mehreren papierartigen Schichten, die sich vom rotbraunen inneren Rindengewebe lösen. Auffällig sind noch die Korkporenbänder und dunklen Astnarben.
Wurzelsystem:
Die mandschurische Birke bildet ein Pfahlwurzelsystem aus, das zur Wasserversorgung über sehr stark ausgebildete Seitenwurzeln in der obersten ca. 30 cm tiefen Bodenschicht verfügt. Auf nassen Standorten, die diese Art am liebsten bewohnt, ist die Pfahlwurzel jedoch verkürzt.
Holz:
Das harte und geradfaserige Holz dieser Birke ist zerstreutporig, mit hellbraunem Splint und dunkleren Kern. Die Rohdichte beträgt 570 kg/m3 und die Jahrringe sind nur schwach erkennbar. Im Gegensatz zur Betula pendula ist das Holz leichter spaltbarer, aber auch anfälliger für Holzfäule.
Verbreitung, Standort und Ökologie:
Das Areal der Betula platyphylla erstreckt sich in Ostasien von Kamchatka im Norden bis in die Gebirgslagen im südlichen China. Ebenfalls ist sie neben dem asiatischen Festland auch auf dem nördlichen Teil Japans vertreten. Als lichtbedürftige und frostharte Pionierbaumart ist sie in der Standortwahl sehr flexibel. Da sie jedoch dürreempfindlich ist, bevorzugt sie nasse Standorte, auf denen sie nach Rodung oder Kalamitätsereignissen schnell Reinbestände bildet. Wie für Pionierarten üblich hat sie im jungen Alter ein sehr ausgeprägtes Wachstum, welches nach 50-70 Jahren jedoch zurückgeht, auch neigen die Stämme ab einem Alter von ca. 100 Jahren zur Stammfäule.
Nutzung und Verwendung:
In ihrem natürlichen Areal wird das sich wenig abnutzende Holz der mandschurischen Birke hauptsächlich als Brenn- und Konstruktionsholz verwendet. Die Rinde und Knospen finden aufgrund ihres Tanningehalts in der Volksmedizin als Mittel gegen Wassersucht, Entzündungen und Fieber Verwendung. Ebenfalls wird der nährstoff- und zuckereiche Birkensaft im Frühling zur Getränkeherstellung geerntet. In Europa erfreut sich der Baum aufgrund seiner weißen Borke und gelben Herbstlaubes als Ziergehölz großer Beliebtheit.
Besonderheiten:
Aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft zu Hängebirke wird sie in machen Werken als Varietät dieser zugeordnet. Innerhalb der Art wird aber auch aufgrund geringfügiger Merkmale zwischen verschieden Varietäten unterschieden. So hat die var. szechuanica aus Westchina eher blaugrüne Blätter und die japanische var. japonica eine reinweiße Rinde und stärkere Behaarung auf der Blattunterseite.
Zwar gibt es wenige dem Baum ernsthaft gefährlich werdende Pilze, der Piptoporus betulinus kann jedoch in überhalterten Beständen in den Stämmen zu einer Braunfäule führen, die die Nutzung des Holzes stark einschränkt.
Quellen:
Puhua H. (2014): Betula platyphylla, in: Stimm B., Roloff A., Lang U. M. und Weisgerber H. (Hrsg.), Enzyklopädie der Holzgewächse: Handbuch und Atlas der Dendrologie, Wiley-VCH Verlag.
Coombes A. (2013), Debreczy Z. (Hrsg.): Blätter und ihre Bäume, Haupt Verlag, Seite 90.
Roloff A., Bärtels A. (2014): Flora der Gehölze, 5. Auflage, Ulmer Verlag, Seite 150 f.
Schenck C. A. (1939): Fremdländische Wald- und Parkbäume /3: Die Laubhölzer, Parey Verlag, Seite 105 f.
Fitschen J. (2015), Schmidt P. A. und Schulz B. (Hrsg.): Gehölzflora, 14 Auflage, Quelle & Meyer Verlag, Seite 315.
4: Stamm mit papierartiger und weißer Rinde
5: Blattoberseite
6: Triebe mit Wachsschicht und grünen Knospen
7: Blütenknospen




