Systematik:

Ordnung: Rosales    

Familie: Rosaceae     

Art: Prunus serotina


Kurz und bündig:

Die Späte Traubenkirsche ist ein bis zu 35 m hoher sommergrüner Baum, in Mitteleuropa oft strauchig.



Gestalt:

Die Späte Traubenkirsche ist in ihrer Heimat der östlichen USA ein schnellwüchsiger, schlanker hoher Baum mit schmaler, lockerer Krone. In Europa ist ihr Wachstum vorwiegend strauchig, mit mehreren Stämmen und schlecht ausgeformter Krone. Das Gehölz ist vielerorts verwildert.



Blätter:

Die Blätter der Späten Traubenkirsche sind länglich-eiförmig, ledrig und oberseits dunkelgrün glänzend. Die Unterseite des Blattes ist längs der Mittelrippe rostfarben und filzig behaart. In den Blattachseln befinden sich zwei Drüsen. Die Blätter sind giftig. Die Herbstfärbung ist lebhaft und reicht von fahlgelb bis orange.


Knospen:

Die Knospen der Späten Traubenkirsche sind eiförmig zugespitzt, 3 - 5 mm lang und bis zu 3 mm breit. Die Schuppen sind grünlich, zum Rand hin bräunlich. Die Knospen stehen an den Triebenden einzeln, die Seitenknospen sind spiralig angeordnet.



Blüten und Blühzeitraum:

Die Blüte erscheint in Mitteleuropa von Mai bis Juni. Die walzenförmigen, etwa 15 cm langen Blütentrauben sind dicht besetzt mit etwa 30 Blüten. Die Blüten sind leuchtend weiß, ca. 1 cm breit, gestielt, fünfzähnig und zwittrig.



Früchte und Samen:

Die Steinfrüchte sind mit 8 - 10 mm erbsengroß und haben eine schwarz-rote Färbung. Die Früchte sind essbar mit einem schwach bitteren Geschmack. Im Boden können die Steinkerne lange überdauern.


Rinde:

Die jungen Triebe der Späten Traubenkirsche sind glänzend rot mit weißen Querlentizellen. Diese Lentizellen des jungen Stammes wachsen zu den charakteristischen horizontalen Streifen aus, die das Gehölz prägen. Die junge Rinde ist dünn, weich und rotbraun bis schwarz. Die Innenrinde riecht würzig nach Bittermandel. An den älteren Stämmen ist die Borke rissig und schuppig, in der Farbe dunkelgrau.


Wurzelsystem:

Die Späte Traubenkirsche bildet ein kräftiges, weit ausgebreitetes, dicht verzweigtes Flach- bis Herzwurzelsystem aus. Sie durchwurzelt den Boden bis zu einer Tiefe von etwa 60 cm.



Holz:

Das Holz ist zerstreutporig und hat einen blass bräunlichen bis gelblich-weißen Splint. Das Kernholz ist farblich klar abgegrenzt, hell rötlich-gelb bis blass rötlich-braun und vereinzelt auch mit leicht grau-grünem Glanz. Nach einiger Zeit kann das Kernholz nachdunkeln.



Verbreitung, Standort, Ökologie:

Die Späte Traubenkirsche ist im Osten der USA beheimatet. Die Baumart wurde 1629 über England eingeführt. Die Späte Traubenkirsche ist eine Lichtbaumart, die beinahe jede Bodenart toleriert. Das Gehölz hat sich in Nordwestdeutschland in Kiefernbeständen übermäßig als Strauch verbreitet und behindert dort die Waldbewirtschaftung.


Nutzung:

In Deutschland wird die Späte Traubenkirsche als schnellwüchsiges Bodenschutz-Gehölz zur Verbesserung der Humusqualität und als Feuerschutzstreifen in Kiefernwäldern eingesetzt. Das Holz der Späten Traubenkirsche wird aufgrund seiner Festigkeit von Bautischlern geschätzt.



Besonderheiten:

Die Späte Traubenkirsche ist in Europa laut EU-Verordnung als invasive Art (Neophyt) eingestuft. Das trockene Laub der Späten Traubenkirsche ist für Nutztiere giftig.



Quellen

Bartels, H.(1993) Gehölzkunde: Einführung in die Dendrologie. Stuttgart: Ulmer

Spohn, M. & Spohn, R. (2020) Kosmos- Naturführer: Welcher Baum ist das?. Franckh-Kosmos

Schulz, B. (2019) Knospen und Zweige Ulmers Taschenatlas. Ulmer Eugen Verlag

Schmidt, P., Schulz, B. & Hecker, U. (2017) Fitschen - Gehölzflora: Ein Buch zum Bestimmen der in Mitteleuropa wild wachsenden und angepflanzten Bäume und Sträucher 13. Auflage. Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co.

GBIF. (besucht am 11.06.2024). Prunus serotina Ehrh. https://www.gbif.org/species/3021850

Liesebach, M.  (besucht am 03.07.2024). Enzyklopädie der Holzgewächse. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/9783527678518.ehg2005019

Schütt, P. Schuck, H.J. & Stimm, B. (2013). Lexikon Der Baum- und Straucharten Das Standardwerk der Forstbotanik 2. Auflage. WILEY-VCH Verlag

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