Systematik:
Ordnung: Ranunculales
Familie: Ranunculaceae
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Kurz und bündig:
Clematis vitalba zählt zu den Lianen und rankt sich mit ihren Fiederblättern an seinen Opfern empor. Dabei zeigen die eher kurzlebigen Pflanzen eine beachtliche Wuchsleistung. Häufig sieht man sie an Lichten stellen und besonders fallen die befiederten Fruchtstände nach der weißen Blütezeit auf. Beim näheren Betrachten der Blattachseln fallen die weiß behaarten Blattachseln auf.
Gestalt und Gesamtbild:
Bis auf 30 m kann die Waldrebe an anderen Bäumen hinaufwachsen. Durch die üppige Verzweigung, mit der sie sich an ihre Nachbarn rankt und festhält, reicht der bis armdicke Sprossendurchmesser aus. Der Sprosse wird ein Maximalalter von 25 Jahren, dem Wurzelstock von 40 Jahren angerechnet. Kleine, aber auch mächtige Individuen sehen aus der Entfernung wie ein dichtes Netz aus, dass alles unter sich verdeckt.
Blätter:
Clematis vitalba bildet unpaarige Fiederblätter die meistens 5-, manchmal 3- zählig sind. Die Blättchen, sowie das Fiederblatt selbst sind gegenständig. Das Fiederblatt wird bis zu 25 cm lang, die 1 bis 3 cm lang gestielten Blättchen nur 2,5 bis 8 cm lang und 2 bis 5,5 cm breit. Die Blättchen sind ei- bis lanzettförmig und meist dreilappig, manchmal aber auch nur schwach gelappt, oder ganzrandig mit abgerundeter Spitze. Eine Netznervatur versorgt die Blätter mit Nährstoffen und Wasser, wobei die Blattadern leicht behaart sind.
Sowohl die Rachis als auch die Blatt- und Blättchenstiele können linkswindig ranken, wenn sie von einem Drittkörper gestützt werden. Am Ende der Vegetationsperiode fallen die Blättchen einzeln von ihren Stielen ab, wonach diese verholzen.
Knospen und Triebe:
Die jungen Triebe sind kantig und auf der Schattenseite grünlich und an sonnenexponierten Stellen rotviolett, was im Alter in ein braun übergeht. Sie sind leicht behaart, was an den Blattachseln ein anderes Ausmaß annimmt. Dort sind sie stark, teilweise so stark weiß behaart, dass es wie Schimmel wirkt.
In den Blattachseln der dauerhaften und verholzten Blattstiele befinden sich die etwa 5 mm langen Knospen. Diese sind ebenfalls an der Spitze weiß behaart und werden von 2 Vorblatt- und 4 Niederblattschuppen umhüllt.
Blüten und Blühzeitraum:
Die Blüten der Gemeinen Waldrebe haben eine zeitliche Geschlechtertrennung. Von Juni bis September trägt sie vierblättrige weiße, etwa 2,5 cm breite und 3 bis 5 cm lang gestielte Blüten. Die Samen- und Fruchtblätter stehen senkrecht. Die Blüten bilden keinen Nektar.
Früchte und Samen:
Nach der Blüte gehen haben sich zahlreiche 3 bis 4 mm lange rotbräunliche Nüsse gebildet. An diesen befindet sich die etwa 3 cm langen fedrig behaarten Griffel, die als Flugorgan zur Verbreitung dienen. Aus der Entfernung wirkt die Waldrebe zu dieser Zeit wie ein Wolle tragender Strauch.
Rinde:
Die Borke ist gräulich bis hellbraun und an dünneren Stücken fein längsgestreift. Bei dickeren Abschnitten ist die Längsstreifung gröber und teils abgeblättert.
Wurzelsystem:
Die Waldrebe steht auf einem kräftigen und knotigen Wurzelstock. Da sie sich auf ihre Umgebung stützt, genügen ihr im Boden hauptsächlich Feinwurzeln, die in Symbiose mit Endomykorrhiza stehen.
Holz:
Das gelbliche Holz ist von ringförmig angeordneten, großlumigen Gefäßen durchzogen. Die Jahrringe sind leicht wellig und schmal, da die Waldrebe nur über ein geringes Dickenwachstum verfügt.
Verbreitung, Standort und Ökologie:
Das natürliche Verbreitungsgebiet ist auf Mitteleuropa konzentriert und endet westlich und südlich am Meer, nördlich in Dänemark und östlich am Schwarzen Meer. Dort wächst in Höhen bis 1.500 m über NN. Bevorzugt wächst sie auf nährstoffreichen und kalkhaltigen Auenböden und braucht vor allem in der Jugend viel Licht. Sonst wird sie als Halbschattengewächs eingeordnet. Auf Grund ihrer Bedürfnisse und Eigenschatten findet man sie Häufig in Auwäldern, Lichtungen und weiteren sonnenexponierten Stellen, weshalb sie auch als Pionierart angesehen wird. Sie dient als Pollenquelle für viele Insekten und bietet Schutz für kleine Vögel.
Nutzung und Verwendung:
Wirtschaftlich hat die Gemeine Waldrebe keine Bedeutung und wird vom Menschen Hauptsächlich in Gärten oder als Fassadenbewuchs genutzt. In der Floristik und Pflanzenzüchtung dient sie meist als Pfropfunterlage für großblütige Clematisarten.
Besonderheiten:
Durch ihre Eigenschaft zu Ranken und das beachtliche Längswachstum kann sie auch großen Bäumen zur Gefahr werden, indem sie bis in die Krone wächst und diese abdunkelt.
Quellen:
Schuck H-J (2014): Clematis vitalba, in: Stimm B, Roloff A, Lang U M und Weisgerber H (Hrsg.), Enzyklopädie der Holzgewächse: Handbuch und Atlas der Dendrologie, Wiley-VCH Verlag
Fitschen J (2015), Schmidt P A und Schulz B (Hrsg.): Gehölzflora, 14 Auflage, Quelle & Meyer Verlag
https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/straeucher-krautpflanzen/die-gemeine-waldrebe (05.05.2024)
https://www.baumkunde.de/Clematis_vitalba/ (05.05.2024)

