Systematik
Ordnung: Koniferen
Familie: Pinaceae (Kieferngewächse)
Unterfamilie: Abietoideae (Tannenähnliche)
Kurz und bündig
Die Abies grandis ist ein immergrüner Nadelbaum. Sie ist sehr groß und raschwüchsig. Es gibt eine Küstenform und eine Inlandsform.
Gestalt und Gesamtbild
Die Küstentanne ist ein 30 -70(-100)m hoher Baum und kann einen Durchmesser von über 1,5m erreichen. Die Krone ist schmal und licht. Die Kronenform ist kegelförmig bis säulenförmig, wodurch sie weniger Schneebruch gefährdet ist.
Blätter
Die Nadeln sind häufig zweizeilig bis doppelzeilig. Sie sind horizontal streng gescheitelt und unterschiedlich lang. Die oben am Zweig befindlichen Nadeln sind deutlich kürzer als die unteren (Anisophyllie). Oberseits sind die Nadeln dunkelgrün glänzend und unterseits befinden sich zwei weiß-grünliche Spaltöffnungsbänder. Die Nadelspitzen sind stumpf und leicht eingekerbt. Bei Zerreiben der Nadeln entsteht ein stark riechender Zitrus-Duft. Je nach Herkunft kann sich die Biegung und die Farbe der Nadeln etwas unterscheiden.
Knospen
Die Knospen sind sehr klein mit nur 3-5 mm und dunkelbraun-violett gefärbt. Sie sind eiförmig bis rund und mit einer Harz Schicht überzogen (Bei der Abies alba nicht mit Harzüberzug). Die Terminal- und Seitenknospen unterscheiden sich nicht in ihrer Gestalt.
Blüten und Blühzeitraum
Die männlichen Blüten sind hellgelb mit einer leichten Bereifung in purpurrot und hängen unterhalb des Zweiges. Die weiblichen Zapfen-Blütenstände sind hellgelb-grün und in der Krone zu finden.
Blütezeit ist von Mitte März bis Mitte Mai möglich.
Zapfen und Samen
Die Zapfen sind zylindrisch geformt und stehen einzeln auf den Zweigen. Sie haben eine Länge von 6-12cm und eine Breite von 3-4cm. Zuerst sind die jungen Zapfen hellgrün und manchmal purpur getönt. Die reifen Zapfen sind grau- bis rotbraun. Die kleinen Deckschuppen sind im Zapfen eingeschlossen. Reif werden die Zapfen Ende August bis September und zerfallen anschließend am Baum. Erst nach ca. 20 Jahren werden die ersten Zapfen produziert.
Die Samen sind hellbraun, mit einem Flügel versehen und leicht, wodurch sie durch den Wind verbreitet werden können. Die Samenschuppen sind 2,5 -3cm breit.
Rinde
Die Rinde der jungen Bäume ist glatt und grau bis braun gefärbt. Charakteristisch sind die zahlreichen Harzbeulen, welche bei aufplatzten, weiße Flecken hinterlassen. Die Rinde älterer Bäume ist rotbraun bis dunkelbraun. Sie ist kleinschuppig und tief gefurcht. Da die Rinde nur bis zu 5cm dick ist, ist die A. grandis schlecht vor Waldbränden geschützt. Ihre Zweige sind olivgrün bis gelbbräunlich, sowie kahl bis kurz und fein behaart.
Wurzelsystem
Zuerst bildet die Tanne eine Pfahlwurzel aus. Mit zunehmendem Alter werden starke Seitenwurzeln gebildet. Außerdem zeigt sie eine gute Durchwurzelungskraft.
Holz
Das Holz ist hell, harzfrei und hat häufig breite Jahrringe. Die Qualität des Holzes ist nicht allzu hoch, im Vergleich zur Abies alba. Durch die starken Zuwächse, gewinnt die Abies grandis in Europa dennoch immer mehr an Beliebtheit.
Verbreitung, Standort und Ökologie
Die Verbreitung der Abies grandis ist im pazifischen Nordwesten Nordamerikas (SW-Kanada bis W-USA). Mittlerweile wurde sie in vielen europäischen Länder in Parks und im Forst angebaut, vor allem in Großbritannien, Frankreich und Deutschland.
Sie wächst auf vielen Standorten und teilweise bis auf ca. 1.800 m Höhe und steigt teilweise auch bis auf Meereshöhe ab. Reinbestände sind eher selten. Gesellschaften bildet sie mit fast allen Baumarten. Bevorzugt werden frische bis mäßig frische Standorte. Auf ärmeren Böden ist die Abies grandis besser geeignet als die Douglasie, da ihre Nährstoffansprüche geringer sind. Die Große Küsten-Tanne hat ein gutes Wachstum und ist im Gegensatz zur Weißtanne Trockentoleranter. Auch hat sie eine breite Toleranz bei Standort und Klima. Die Tannenart ist in Gebieten extremer Niederschläge nicht zu finden. Sie ist außerdem schattenverträglicher als die Douglasie und hat unter den Tannenarten die größte Standorts-Amplitude.
Nutzung
Hohe Erlöse erzielt man oft durch Schmuckreisig. Auch als Christbaum wird A.grandis gerne gepflanzt. Außerdem kann das Holz gut weiterverarbeitet werden, für verschiedene Holzwerkstoffe.
In den USA wird das Holz durch die Harzfreiheit und Helligkeit gerne in der Papierindustrie eingesetzt. Bestimmte Inlandsformen werden dort auch als Bauholz genutzt, allerdings wegen der geringen Festigkeit und Dauerhaftigkeit, findet diese Anwendung nicht im Außenbereich oder als tragende Konstruktion statt. In Deutschland ist die A.grandis der heimischen A.alba qualitativ unterlegen.
Pathologie
Besonders anfällig ist die Tannenart gegen viele Stamm- und Wurzelfäule Erreger, diese werden durch Pilzarten verursacht und kommen auch in Europa vor. Bei Stress ist die Abies grandis anfällig für die Tannenschütte. Bei der Neuanpflanzung kann der große braune Rüsselkäfer zu großem Ausfall führen. Wildverbiss kommt wenig vor, allerdings wird sie gerne gefegt.
Besonderheiten
Die Abies grandis ist die einzige nordamerikanische Tannenart, welche bis auf die Meereshöhe herabsteigt. Sie kann bis 100m hoch werden und ist somit die höchste aller Tannenarten. Im natürlichen Verbreitungsgebiet und unter den Koniferen-Arten, zählt die Große Küsten-Tanne zu einer der geringsten Saatgut-Produzenten.
Die Indigene Bevölkerung nutzt das Harz für Parfüme und gegen Haarausfall. Die Borke der Küstentanne wurde für den Bau von Kanus verwendet.
Quellen
Bartels, Horst (1993): Gehölzkunde. Einführung in die Dendrologie. Stuttgart: Ulmer.
Fitschen, Jost; Aas, Gregor (2023): Gehölzflora. Ein Buch zum Bestimmen der in Mitteleuropa wild wachsenden und angepflanzten Bäume und Sträucher. 14., überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag.
Roloff, Andreas; Bärtels, Andreas; Schulz, Bernd (2014): Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung; mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 4. Auflage. Stuttgart (Hohenheim): Eugen Ulmer KG.
Schütt, Peter; Roloff, Andreas; Weisgerber, Horst; Lang, M. Ulla; Stimm, Bernd (2007): Enzyklopädie der Holzgewächse. Handbuch und Atlas der Dendrologie. Weinheim: Wiley-VCH. Online verfügbar unter https://onlinelibrary-wiley-com.eaccess.tum.edu/doi/10.1002/9783527678518.ehg2011000
https://www.baumkunde.de/Abies_grandis/ (Aufgerufen am 03.09.2024)
https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/grosse-kuestentanne (Aufgerufen am 03.09.2024)
