Systematik: 

Ordnung: Fagales

Familie: Betulaceae


Kurz und Bündig:

Ein in beinahe ganze Europa verbreiteter, max. 35m hoher Laubbaum. Durch ihr hohes Stockausschlagvermögen wächst sie oft mehrstämmig und stellt ein vielseitig verwendbares Holz dar. Die Schwarzerle wird ca. 150 Jahre alt. Aufgrund ihrer Überlegenheit gegenüber anderer heimischer Baumarten auf typischen Niedermoorstandorten bildet sie dort oft Reinbestände aus, die beispielsweise in der nordostdeutschen Tiefebene zu finden sind. Die grundwasseranzeigende Baumart stellt einen Torfbildner dar. Sie besitzt die „[…] Fähigkeit zur Drainage vernässter Böden“ (Schütt, Schuck, Stimm; 1992), ist dürregefährdet, frosthart, eine Vorwald-, Niederwald- sowie eine Licht- bis Halbschattenholzart.


Gestalt: 

Die Schwarzerle erreicht Höhen bis maximal 35m, meist jedoch zwischen 10 und 25m und einen BHD von bis zu 60cm. Der Stammwuchs erfolgt gerade, jedoch oft mehrstämmig.



Blätter:

Die Blätter der Schwarzerle sind ca. 4-10cm lang mit doppelt gesägt Blattrand und eingedellter Spitze. Sie besitzten 5-8 Paar Seitennerven und sind nur unterseits in den Achseln der Adern behaart. Die Blattspreite ist breit keilförmig und die Schwarzerle besitzt Nebenblätter, die jedoch bald abfallen. Eine herbstliche Blattfärbung gibt es bei der Schwarzerle nicht und sie hat einen, schon im Frühsommer einsetzenden, grünen Blattfall.

 

Knospen: 

Die rotbraunen bis violetten Knospen der Schwarzerle sind gestielt und teilweise klebrig.


Blüten und Blühzeitraum: 

Der Blühzeitraum ist von März bis April und die männlichen und weiblichen Blütenstände werden dafür „ […] schon im Sommer vor der Blüte […] angelegt“. (Schütt, Schuck, Stimm; 1992) Im Alter von 10 Jahren hat die Schwarzerle normalerweise ihr Blühalter erreicht, obwohl sich dies im Bestand auch auf 40 Jahre ausweiten kann. Die Blüten werden windbestäubt, sind einhäusig und eingeschlechtlig.


Früchte und Samen: 

Die 1-2 cm großen, gestielten Fruchtzäpfchen bleiben nach der im September und Oktober stattfindenden Samenreife meist noch über den Winter hinweg am Baum. Die Nüßchen sind schmal geflügelt.


Rinde:

Die Schwarzerle bildet schon früh eine rissige, schwarzbraune bis dunkelgraue Schuppenborke aus.


Wurzelsystem:

Das Herzwurzelsystem der Schwarzerle ist sehr tief und intensiv.


Holz: 

Die Schwarzerle zählt zu den zerstreutporigen Hölzern  mit undeutlichen Jahrringgrenzen. Man findet zwar breite Scheinholzstrahlen, jedoch sind die Holzstrahlen makroskopisch kaum sichtbar. Das rötlich braune, leicht bis mittelschweres Holz besitzt keinen Farbkern und ihre Rohdichte liegt zwischen 0,45 bis 0,60 g/cm3. Das Holz der Schwarzerle ist sehr dauerhaft unter Wasser und wenig witterungsbeständig und färbt sich nach dem Fällen an den Schnittflächen erst orangerot und später dann braunrot.


Verbreitung, Standort, Ökologie:

Außer in Südspanien und im mittleren und nördlichen Skandinavien kommt die Schwarzerle in ganz Europa vor und breitet sich bis hin zum Kaukasus nach Westsibirien und ferner sogar nach Nordafrika aus. Die Baumart wächst in „[…] der Ebene bis in mittl. Gebirgslagen […]“(Schütt, Schuck, Stimm; 1992), so kommt sie beispielsweise in den Zentralalpen bis 1800m und in den Nordalpen bis 1150m Höhe vor. Sie bevorzugt feuchte Standorte, zum Beispiel feuchte Laubwälder oder Fluss- und Bachufer. Vor allem kommt sie in „[…] Au- oder Erlenbruchwäldern auf staunassen (vergleyten), zeitweilig überfluteten, tiefgründigen, meist kalkarmen, nährstoff- und humusreichen Böden“ (Schütt, Schuck, Stimm; 1992) vor. Die Schwarzerle stellt ein Pionier in Flachmooren, auf Nasswiesen sowie im Verlandungsbereich von Gewässern dar und kommt oft in Silikatgebieten vor.  


Nutzung:

Das Holz der Schwarzerle wird vielseitig eingesetzt, so z.B. als Möbelholz, für Schnitz- oder Drechslerarbeiten, zur Herstellung von Faser- und Spanplatten, im Modellbau und sogar für Prothesen. Auch sie trägt durch die Symbiose mit Actinomyceten (Wurzelknöllchen) und „[…] durch eine rasch abbaubare, stickstoffreiche Streu […]“(Schütt, Schuck, Stimm; 1992) zur Bodenverbesserung bei.


Besonderheiten:

Die Blätter und Rinde der jungen Zweige der Schwarzerle werden heutzutage in der Naturheilkunde eingesetzt. In ihnen sind Steroide, Flavonoide sowie Gerbstoffe enthalten. So wirkt sie beispielsweise fiebersenkend oder wundheilend.


Quellen:

(Schütt, Schuck, Stimm; 1992) Schütt P., Schuck H.J., Stimm B.: Lexikon der Forstbotanik – Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten; Landsberg/Lech: ecomed, 1992

(Roloff, Weisgerber, Lang, Stimm; 2010) Roloff Andreas, Weisgerber Horst, Lang Ulla, Stimm Bernd: Bäume Mitteleuropas – Von Aspe bis Zirbel-Kiefer, Mit den Porträts aller Bäume des Jahres von 1989 bis 2010; Weinheim: WILEY-VCH, 2010 

https://www.pflanzen-vielfalt.net/bäume-sträucher-a-z/erle-schwarz-erle/





















Blatt der Schwarz-Erle





































  • Keine Stichwörter