Ein Lehrstuhl ist die Stelle eines Professors/ einer Professorin an einer Universität, ein Lehrstuhlinhaber/ eine Lehrstuhlinhaberin wird auch als ordentlicher Professor „Ordinarius bzw Ordinaria“ bezeichnet. Ein Lehrstuhlinhaber ist ausgestattet mit finanziellen und personellen Mitteln und Aufgaben in Forschung und Lehre. Ein Lehrstuhl ist einer Fakultät einer Universität untergeordnet. Die Aufforderung an eine Lehrkraft, einen Lehrstuhl oder eine Professur zu übernehmen, wird als Berufung (umgangssprachlich Ruf) bezeichnet. Hochschulprofessur und Lehrstuhl sind nicht unbedingt miteinander verbunden – jeder Lehrstuhlinhaber ist Professor, aber umgekehrt gilt dies nicht.

Unter Professur versteht man im deutschen Sprachraum primär eine Funktion im Lehrkörper einer Hochschule. Der/die Inhaber/in einer Professur ist eine Person mit der Amts- und Berufsbezeichnung oder dem akademische Titel eines Professors. Anders als etwa beim Doktorgrad handelt es sich nicht um einen akademischen Grad. Ein Professor/ eine Professorin muss nicht zwingend einen Lehrstuhl leiten, es ist jedoch üblich – aber jeder Lehrstuhl wird von einem Professor geleitet. In Deutschland und der Schweiz kann die Bezeichnung Professor unter bestimmten Umständen auch als Ehrentitel an Personen verliehen werden, die keine Professur bekleiden.

Unter einer Arbeitsgruppe versteht man einen Zusammenschluss von Mitarbeitern mit einem gemeinsamen Ziel, die sogenannten personellen Mittel eines Lehrstuhls. Die Mitarbeiter einer Arbeitsgruppe verbleiben in ihren bisherigen Arbeitsstellen und bleiben damit auch ihren Vorgesetzten weiterhin unterstellt. In einer Arbeitsgruppe gibt es typischerweise keinen Vorgesetzten mit Weisungsbefugnis, sondern nur einen Koordinator. Der Koordinator ist zuständig für die Lösung auftretender Probleme und kontrolliert, ob die Mitarbeiter vorschriftsgemäß arbeiten. Die Mitarbeiter sind mit rein produzierenden Tätigkeiten beauftragt und sind idealerweise Experten auf ihrem jeweiligen Sachgebiet.

Der Lehrstuhl für Bauchemie wird beispielsweise von Prof. Dr. J. Plank geleitet, der an der Universität in Jinan zum Honorarprofessor berufen wurde. Honorarprofessoren führen die Amtsbezeichnung Professor (Prof.) ohne weiteren Zusatz. Sie halten Lehrveranstaltungen ab, können Prüfungen abnehmen und Doktoranden betreuen (Details regeln die jeweiligen Prüfungsordnungen der Hochschulen), sind hauptberuflich aber weiterhin außerhalb der Hochschule tätig. Durch die Bestellung von Honorarprofessoren sollen Personen mit Bezug zur Praxis für die universitäre Lehre gewonnen und dauerhaft eng an die Hochschule gebunden werden. Prof. Dr. Plank ist also ein Honorarprofessor der University of Jinan, der Hauptberuflich den Lehrstuhl für Bauchemie an der TUM führt und nebenberuflich Lehrveranstaltungen etc. an der University of Jinan abhält.

Ein weiteres Beispiel ist Prof. Dr. Richard Fischer, der Hauptberuflich an der Clariant in Bad Aibling angestellt ist und als (unbezahlter und ehrenamtlicher) Honorarprofessor der TUM agiert und Lehrveranstaltungen sowie Prüfungen abhält. Prof. Dr. Richard Fischer ist das Bindeglied der TUM und Clariant, die 2010 eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Erforschung und Anwendung avantgardistischer Katalysatorsysteme eingegangen ist: Catalysis – Alliance of Clariant and TUM (MuniCat).

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